Der Turnverein – Historisches

Dies ist Teil 1 von 4 aus der Reihe Vereinsgeschichte

Es war die Zeit, als viele junge Männer die Idee von Turnvater Ludwig Jahn aufgriffen, durch Bewegung den Körper zu ertüchtigen.
Nachdem in den Nachbargemeinden Eilendorf, Brand, Weiden, Würselen und Haaren erste Turnvereine gegründet worden waren, wollten acht junge Männer in Verlautenheide ebenfalls einen Versuch starten und einen eigenen Turnverein gründen.

Wie immer bedarf es einer Initiative weniger Entschlossener, trotz aller Probleme, eine Idee in die Tat umzusetzen, als Josef Dohmen, Hubert Hermanns, Johann Dondorf, Johann Jünger, Hubert Gorgels, Johann Wöllgens, Peter Kogel und Heinrich Hermanns beschlossen, eine Gründungsversammlung abzuhalten. Auf der Versammlung wurde mit Heinrich Hermanns ein 1. Vorsitzender gewählt.

Leider gibt es aus der Zeit der Gründerjahre der Vereinsgeschichte keine schriftlichen Unterlagen, so dass das Wissen über die Anfänge durch Überlieferung erhalten geblieben ist. Erste Turngeräte anzuschaffen, war sicherlich ein finanzielles Problem, auch wenn man durch Erfindungsreichtum einiges selbst mit einfachsten Mittel zusammenschraubte. Die Geräte durften in einem Wirt-schaftssaal gelagert werden, der auch im Winter als Turnfläche genutzt werden durfte. Im Sommer wurden die Übungsstunden auf einer Wiese
abgehalten und die Bewegungen mit Turnen beschrieben. Das jahn`sche Turnen der damaligen Zeit war nicht nur Gerätturnen im heutigen Sinne, sondern auch Laufen, Springen, Werfen, Ringen und Gewichtheben.

Hierzu gab es auch entsprechende Wettkämpfe, die meistens in Form von Turnfesten auf Wiesen veranstaltet wurden und zumeist mit viel Aufwand durchzuführen waren. So mussten sich die Vereine, die sich im Turngau organisiert hatten, und dazu gehörte auch der TV Verlautenheide, mit der Ausrichtung des Turnfestes abwechseln. Es ist bekannt, dass der TV im Jahre 1894, zum 20-jährigen Bestehen ein Turnfest ausgerichtet hatte. Üblich war es damals, dass alle Teilnehmer an einem Wettkampf zum Sieger erklärt wurden, wenn sie wenigstens die Mindestpunktzahl erturnt hatten. Mit einer durchschnittlichen Leistung konnte man das Siegerabzeichen gewinnen, was eine anerkannte Auszeichnung war. Die richtigen Sieger, d.h. die Gewinner eines Wettkampfes bekamen zusätzlich noch einen geflochtenen Lorbeerkranz.

Die Verlautenheidener Turner waren jahrelang auf Turnfesten aktiv und passiv dabei, und jeder, der verfügbar war, ging auch ohne absolvierten Wettkampf im obligatorischen Festzug mit. Über herausragende sportliche Erfolge liegen uns leider keine Informationen vor.
Ein weiteres Gauturnfest wurde vom Turnverein 1914 ausgerichtet, zu dem Anlass wurde eine erste Fahne eingeweiht. Kurz danach brach der erste Weltkrieg aus, und vorbei war es mit der Blütezeit des Turnvereins und des Sports insgesamt. Als der Krieg nach vierjähriger Dauer zu Ende war, hatten 11 Turner des Vereins ihr junges Leben auf dem Schlachtfeld verloren.

Wiederaufbau nach dem 1. Weltkrieg

Trotz der hohen Verluste an Turnkameraden wollte man den Turnverein nicht untergehen lassen.

Mathias Vonderbank als 1. Vorsitzender, Gerhard Dohmen als Oberturnwart und Josef Hermanns als Geschäftsführer bauten den Turnverein wieder auf. Bereits 1919 organisierten sie mit viel Enthusiasmus das 1. Gauturnfest nach dem Wettkampfstätten wenig anspruchsvoll, so erklärt sich auch die hohe Teilnehmerzahl bei der Veranstaltung. Vermutlich ist auch finanziell die Sache rund gelaufen, denn man konnte sich davon neue Geräte anschaffen. Zum 50-jährigen Vereinsbestehen gelang es, das Bezirksturnfest nach Verlautenheide zu holen, das dem Sagen nach sehr erfolgreich verlaufen ist. Die 3 Turnkameraden hatten in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg den Turnverein wieder nach vorne gebracht. In Anerkennung ihrer Verdienste wurden sie später zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Zum 50-jährigen Jubiläum 1924 war der Turnverein soweit erstarkt, dass der Vorstand sich den Arbeitsaufwand zutraute, ein Bezirksturnfest auszurichten. Es war eine überregionale Veranstaltung, bei der die Turner in allen Altersklassen ihre Mehrkämpfe austrugen, die in erster Linie aus Gerätübungen und leichtathletischen Disziplinen bestanden. Dazu kamen Schauvorführungen in Gymnastik und Turnen. Das Fest endete mit einem Festzug aller beteiligten Vereine durch den Ort.
Nach dem Krieg zeichnete sich in der Bevölkerung eine Nachfrage nach Ballsportarten ab, die von den bestehenden Vereinen, überwiegend Turnvereine, aufgegriffen wurde. Handball, Fußball und Faustballmannschaften wurden mit Vorliebe gegründet. So auch in Verlautenheide, wo auf Wunsch zahlreicher Mitglieder 1925 eine Feldhandballabteilung gegründet wurde.

Zuerst mussten die Sportler neben dem Handballtraining auch noch an den Turnstunden teilnehmen, doch in der weiteren positiven Entwicklungsphase des Handballsports wurde diese Verpflichtung gelockert. Ganze 10 Jahre Entwicklungszeit blieb dem Turnverein noch, bis durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten Spannungen erzeugt wurden.
Dies wäre auch eine Erklärung dafür, dass 1933 Heinrich Gier den 1. Vorsitz von Matthias Vonderbank nur für ein Jahr übernahm. 1934 folgte Peter Dohmen, unter dessen Führung das 60jährige Jubiläum gefeiert wurde. Dazu wurde auch eine Großveranstaltung unter Mitwirkung auswärtiger Vereine durchgeführt.
Die Nazis regierten jetzt massiv in die Vereine hinein. So mussten die Vorsitzenden in den Vereinen gewisse politische Kriterien erfüllen und die Vereine in einem Ort wurden zwangsvereinigt. 1935 wurde der 1912 gegründete Fußballverein SV Eintracht Verlautenheide in den Turnverein integriert und Josef Hermann wurde als neuer Vorsitzender gewählt. Dieser blieb bis 1944 1.Vorsitzender, obwohl die Zukunftspläne des Vereins durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges am 1. September 1939 jäh zerstört wurden. Der Turn- und Spielbetrieb kam fast völlig zum Erliegen, denn die meisten aktiven Sportler wurden zum Wehrdienst eingezogen.

Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem Ende des Krieges musste eine Bilanz der Zerstörung aufgemacht werden. Der Turnverein war nicht weniger verschont worden. Von den Schrecken des Krieges als die gesamte Bevölkerung. 13 Gefallene und Vermisste, viele Versehrte sowie Ruinen von Turnsaal und Geräten waren 1945 das traurige Erbe des Krieges für den Turnverein.

Doch die Männer, die den Krieg heil überlebt hatten, sammelten sich um den damaligen Vorsitzenden Peter Dohmen, der im letzten Kriegsjahr den Vorsitz übernommen hatte, mit der Absicht, den Turnverein wieder neu aufzubauen. Richtig los ging es aber erst ein Jahr später, als 1946 Josef Vonderbank den Vorsitz für 4 Jahre übernahm. Der Sportplatz wurde wieder hergerichtet, um für die Fuß- und Handballer eine Spielstätte zu schaffen. Die Turner mussten sich mit einer Wiese als Sportstätte begnügen.

Das Bedürfnis nach Aktivitäten und Unterhaltung ging in dieser Zeit über das rein Sportliche hinaus. Der Turnverein spielte im gesellschaftlichen Leben damals eine große Rolle. So ist es auch zu erklären, dass man mit bescheidenen Mitteln zum 75-jährigen Vereinsjubiläum ein Wiesenfest auf die Beine stellte, das unter großer Beteiligung der Dorfbewohner zu einem Volksfest wurde und erste Finanzmittel für Anschaffungen erbrachte. Auch war es eine Selbstverständlichkeit, wenn Verlautenheidener Turner erfolgreich von Deutschen Turnfesten heimkehrten und unter Anteilnahme der Bewohner vom Trommler- und Pfeiferkorps durch die Straßen des Ortes gespielt wurden.

Als 1950 Wilhelm Palm zum Vorsitzenden gewählt wurde, bekamen die Turner die Gelegenheit, in seiner Scheune eine provisorische Trainingsstätte einzurichten. Gleichzeitig begannen unter seiner Regie erste Bestrebungen zum Bau einer Turnhalle für den Ortsteil Verlautenheide. Nach 4-jahrigen Bemühungen durch Wilhelm Palm und Franz Hahn als Oberturnwart konnte 1953 der Beschluss des Gemeinderates, die Voraussetzungen für den Bau einer Gemeindeturnhalle zu schaffen, mit viel Freude verkündet werden.

Zu erbringende Eigenleistungen von Vereinsmitgliedern waren mit eine Voraussetzung, die den Bau der Halle ermöglichten, damit diese 1954 rechtzeitig zum 80-jährigen Jubiläum des Vereins mit einer Einweihungsfeier der Bevölkerung übergeben werden konnte. Zum 80igsten wurde erstmalig eine Festschrift erstellt, worin die Entwicklung des Vereins von den Anfängen an aufgeschrieben wurde.

Mit der Halle boten sich dem Turnverein in sportlicher Hinsicht plötzlich ganz vorzügliche Entwicklungsmöglichkeiten, die, so kann man aus heutiger Sicht sagen, vom Turnverein im Rahmen der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung auch genutzt wurden. Der Turnverein öffnete sich für das weibliche Geschlecht, Kinder wurden verstärkt zum Beitritt angeworben.

Aber es ging nicht nur aufwärts. Die finanzielle Situation blieb angespannt, die Beiträge waren zu niedrig, das Verlagen der einzelnen Sportabteilungen nach Unterstützung
artete leider in Zwistigkeiten aus. Dies war auch der Grund, warum die Trennung von den Fußballern 1955 auf einer Jahreshauptversammlung beschlossen wurde, weil man überzeugt war, dass das für alle Beteiligten das Beste sei.

Dass es anschließend über viele Jahre recht harmonisch im Turnverein zuging, belegt die Tatsache, dass mehrere Mitglieder des neu zu wählenden Vorstandes diesem über viele Jahre angehören sollten. Heinz Stroer trat sein Amt als 2. Vorsitzender an und diente dem Turnverein 23 Jahre lang in dieser Funktion. Sogar 37 Jahre lang war Hermann Stollenwerk als Schriftwart tätig bis zu seinem Tode im Jahre 1992. Franz Hahn hat in dieser Hinsicht alle übertroffen. Er kam von seinem 17. Lebensjahr an bis 1985 auf 58 Jahre Vorstandstätigkeit in den unterschiedlichsten Funktionen und zuletzt als Kassierer.

Nach dem frühen Tod von Wilhelm Palm konnte 1956 der Volksschullehrer Johannes Giesbertz als 1. Vorsitzender gewonnen werden, bis 1963 Willi Herf für 17 Jahre an die Spitze des Vereins gewählt wurde.

Seit dem Bau der Halle wuchs der Turnverein von Jahr zu Jahr. Vor allem Kinder schlossen sich dem Turnverein an. Das war auch eine besondere Herausforderung für die Mitglieder, die es zu bestehen galt. Die Pflege des Jahn´schen Gedankengutes war ein erklärtes Ziel. Dies lag bekanntlich nicht nur in der Körperertüchtigung, sondern auch im geistig-seelischen Bereich, wie Franz Hahn es in der Festschrift zum 90-jährigen Bestehen formulierte. Entsprechend diesem Motto wurde neben der sportlichen auch die kameradschaftliche Komponente gepflegt. So wurden Kameradschaftsabende veranstaltet, ein Stammtisch gegründet, ein Kegelkreis gepflegt und Vereinsfahrten mit dem Bus unternommen, die uns in die weitere Umgebung führten. Für die nähere Umgebung wurde die sogenannte „Götzwanderung“ eingeführt, die alljährlich am Christi-Himmelfahrts-Tag stattfand und uns meist zu einem Zielpunkt wandern ließ, wo dann verweilt und gespielt wurde. Diese Wanderung war sehr beliebt, und wenn nicht gerade Regen angesagt war, zählte man nicht selten über 100 Teilnehmer.

Anlässe zum Feiern waren immer willkommen. Zum 85. Stiftungsfest wurde ein Festabend mit Jubilarehrung begangen. Morgens war Kirchgang mit anschließendem Zug der Vereine zum Denkmal mit Gefallenenehrung. Nachmittags fand wie jedes Jahr ein Schauturnen in der Turnhalle statt. Sitzplätze waren genug vorhanden, denn als die Kirche ihre neuen Bänke bekam, konnte ein Teil der alten 2 m langen Holzbänke mit Eisenrahmen in der Turnhalle im Geräteraum platzsparend gestapelt untergebracht werden. Ein Turnverein ohne Fahne war zum damaligen Zeitpunkt undenkbar. So war man froh, als man 1960 eine neue Fahne im entsprechenden Rahmen vorstellen konnte, denn die alte war im Krieg verloren gegangen.

1964 wurde das 90-jährige Jubiläum unter dem neuen Vorsitzenden Willi Herf erstmals mit Unterstützung der Bevölkerung so richtig mit Festzelt an 3 Tagen gefeiert. Am Ehrenabend hielten Schirmherr, Bürgermeister und der Vorsitzende Festansprachen und gratulierten dem Turnverein . Die Mitglieder wurden geehrt für besondere Verdienste oder langjährige Mitgliedschaft im Turnverein. Zur Auflockerung wurden sportliche Einlagen gezeigt. Die Gauwerberiege turnte am Barren und Boden, was damals als Leckerbissen galt. Zum Ende des Abends wurde getanzt. Sonntagnachmittags ging ein Festzug durch den Ort, an dem alle Ortsvereine und auswärtigen Turnvereine teilnahmen. Am Abend im Zelt wurde ein Programm zum Zuschauen geboten. Der heimliche Höhepunkt war der Dorfabend am Montag, an dem getrunken und getanzt wurde, mit Showeinlagen der örtlichen und insbesondere des gastgebenden Vereins.

Hier war das Zelt bis auf den letzten Platz gefüllt, und das bis spät in die Nacht, obwohl fast alle am Dienstagmorgen zur Arbeit mussten. Ein gelungenes Fest besserte die Finanzen erheblich auf und brachte neues Selbstvertrauen.

Die nächsten 10 Jahre verliefen in ruhigem Fahrwasser. Die Mitgliederzahlen stiegen nur noch leicht. Die Jungen- und Mädchengruppen bekamen weiteren Zulauf, die Turner nahmen an Leistungsstärke zu, die Frauen wuchsen zu einer stattlichen Gruppe heran. Man freute sich über die wachsenden Erfolge der Turner und pflegte die geselligen Veranstaltungen im Turnverein.

Zum 100-Jährigen Geburtstag präsentierte sich der Turnverein mit Willi Herf an der Spitze in einem gesunden Zustand. Der damalige Oberbürgermeister der Stadt eröffnete als Schirmherr die 3-tägigen Feierlichkeiten mit einer Festrede im Festzelt. Sonntags ging ein Festzug durch dem Ort, der auf den neuen Sportplatz endete.

Auf der Rasenfläche begann dann ein großes Schauturnen, bei dem der Turnverein mit 70 Aktiven ein abwechs-lungsreiches Programm bot, das von attraktiven Vorführungen von Vereinen aus der Nach-barschaft unterstützt wurde. Dem Turnverein war es gelungen, sich von der besten Seite zu zeigen und sich in der ganzen Stärke zu präsentieren, die Mitglieder des Vereins hatten allen Grund, stolz darauf zu sein.

Der Turnverein und sein zweites Jahrhundert

Der Turnverein zu Beginn seines zweiten Jahrhunderts unterschied sich sicherlich stark von dem des Gründungsjahres. Fast 50 Kinder ab 6 Jahren mussten wöchentlich zu festen Zeiten betreut werden, die auch gewisse Anforderungen an den Turnbetrieb stellten. Das Problem, immer in ausreichender Zahl Übungsleiter zur Verfügung zu haben, gestaltete sich immer schwieriger. Deshalb beschloss die Mitgliederversammlung 1975 die Bezahlung von Übungsleitern einzuführen. Dies war nur über eine Beitragserhöhung zu finanzieren, zudem waren Zuschüsse vom Landessportbund von einem Mindestbeitrag abhängig. Die Erhöhung des Erwachsenenbeitrages von 1,50 DM auf 4,00 DM war für viele Turnfreunde der Anlass, dem Turnverein den Rücken zu kehren. Trotz aller Bedenken und Turbulenzen erwies sich diese Entscheidung für den Turnverein als zukunftsweisend und verfehlte glücklicherweise die beabsichtigte Wirkung nicht.

1978 wurde die Vereinszeitung „Muskel-kätzchen“ ins Leben gerufen und berichtete 25 Jahre lang Aktuelles aus dem Vereinsleben. Durch die Aufnahme von Kindern unter 6 Jahren wuchs die Zahl der zu betreuenden Jugendlichen auf 80 heran. Grillfeste als neue Freizeitvergnügen wurden modern, und der Turnverein sprang auf diesen Zug auf und veranstaltete jetzt einmal jährlich ein Grillfest mit Kinderbelustigung, um so den Kontakt der Mitglieder untereinander zu pflegen.

Ebenfalls wurde eine jährliche Nikolausfeier für die Kleinkinder ins Leben gerufen, die in der Aula der Schule veranstaltet wurde. Die Götzwanderung eignete sich nicht mehr dafür, denn Wandern war nicht mehr angesagt und nachlassendes Interesse machte die Wanderung zum Auslaufmodell.

Junge Turner waren herangewachsen und bestimmten das Geschehen im Turnausschuss. Fast zwangsläufig wurden sie auch mit Vorstandsaufgaben betraut, so dass man 1980 bereits von einem Generationswechsel sprechen konnte. Manfred Hahn übernahm den 1. Vorsitz von Willi Herf und Dieter Turiaux den Posten des Oberturnwarts von Heinrich Jansen.

1982 wurde mit einer geänderten Satzung dem Turnverein eine neue Struktur gegeben. Mit der Führung der laufenden Vereinsgeschäfte wurde jetzt der Vorstand betraut und löste damit die Mitgliederversammlung als Entscheidungsgremium ab. Der Turnverein wurde erstmalig beim Amtsgericht eingetragen und erhielt die Anerkennung der Gemeinnützigkeit.

Zum 110-jährigen Jubiläum 1984 wurde wieder 3 Tage im Festzelt neben der Turnhalle gefeiert. Schirmherr war Dr. Peter Schmidt, Fraktionsvorsitzender der SPD und Mitbürger des Ortsteils Verlautenheide. Erstmalig begann man nicht mit dem Ehrenabend, sondern mit einem Tanzabend. Sonntagmorgens mit Abholung des Festkomitees und der Vereinsmitglieder vom Vereinslokal zum Kirchgang. Anschließend waren Gefallenenehrung am Kriegerdenkmal und musikalischer Frühschoppen. Die Zeit der Festzüge am Sonntagnachmittag war vorbei, dafür wurde ein Kindernachmittag im Festzelt, in der Turnhalle und auf dem Schulhof geboten, der viel Zuspruch fand. Zum Ehrenabend traten dann viele Vereine aus den Nachbarorten mit Tanz- und Gymnastikvorführungen an und lockerten das Programm in unterhaltsamer Weise auf. Beim Dorfabend boten eigene Vereinsgruppen unterhaltsame Vorführungen. Wieder konnte man von einem gelungenen Fest sprechen, bei dem es dem Turnverein gelang, sich in voller Stärke zu präsentieren.

1989 übernahm Hubert Quadflieg den 1. Vorsitz und damit die Führung des Vereins. Nachdem über Jahrzehnte das Vereinsleben harmonisch verlaufen war, waren plötzlich im Turnausschuss Streitereien aufgekommen, die sich auch durch den Vorstand nicht mehr schlichten ließen. Letztendlich führte es zu Vereinsausschlüssen und -austritten von einigen engagierten Mitgliedern, die dann einen neuen Turnverein in Verlautenheide gründeten. 1992 starb unerwartet unser Ehrenmitglied und amtierender Schriftführer Hermann Stollenwerk, der 37 Jahre im Vorstand mitgearbeitet hatte.

Ab 1994 führte Manfred Kaufmann den Turnverein, der auch für die Feierlichkeiten beim 120-jährigen Jubiläum im Festzelt verantwortlich zeichnete. Unter der Schirmherrschaft von Karl Pütz, Bezirksvorsteher des Ortteils Haaren-Verlautenheide und ehemaliger Turner, hatte das Fest eine ähnliche Programmfolge wie 10 Jahre zuvor. Wieder gelang es dem Turnverein sich bestens in der Öffentlichkeit zu präsentieren, doch ganz glücklich war man mit dem Fest nicht. Bis auf den Dorfabend am Montag war man mit dem Besuch der Bevölkerung an den anderen Tagen nicht zufrieden. Mit Bedauern musste man zur Kenntnis nehmen, dass 3 Tage Feiern für die meisten Ortsbewohner nicht mehr in Frage kam.

Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels in der Bevölkerung ist die Erkenntnis gereift, dass der Turnverein und vielleicht auch die anderen Vereine des Ortsteils nicht mehr den Stellenwert im gesellschaftlichen Bereich wie noch vor 10 oder 20 Jahren haben.
Dies kann man bedauern, es lässt sich aber kaum mehr ändern.

Im gleichen Jahr beschloss der Vorstand ein Vereinsverwaltungsprogramm einzuführen, mit dessen Hilfe der Mitgliederbestand mit Hilfe eines Computers geführt werden konnte und das Kassieren der Beiträge durch Einzugsverfahren erleichtert wurde.

Das war eine große Hilfe für die Kassiererin Onka Dühr, die bis dahin schon 10 Jahre alles handschriftlich machen musste. Über so eine Hilfe hätte sich ihr Vorgänger Franz Hahn sicher auch gefreut, der diese Kasse 40 Jahre verwaltet hatte. Zwei Jahre später verstarb unser Ehrenmitglied Franz Hahn im Alter von 86 Jahren, der nicht nur 70 Jahre Mitglied des Vereins war, sondern mit einer bewundernswerten Energie den Turnverein über Jahrzehnte mit gestaltet hatte. Davon zeugt auch die 58 Jahre Vorstandsarbeit in den unterschiedlichsten Funktionen. Wenn Vereine in Zukunft überleben wollen, benötigen sie Menschen vom Schlage eines Franz Hahn, die bereit sind, ihre Freizeit zum Wohle des Vereinslebens und damit der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen.

Bei den außersportlichen Aktivitäten kamen die jahrelang erfolgreichen Veranstaltungen nicht mehr richtig an, neue Ideen mussten her.

1998 wurde nach 2 Jahrzehnten das letzte Grillfest ausgerichtet. Mittlerweile hatte fast jeder Turnverein und jede Schulklasse ein Grillfest im Angebot, so dass der Zuspruch bei unseren Mitgliedern immer weniger wurde, bis die Arbeit in keinem Verhältnis mehr zum Erfolg stand. Ein Ende kam auch für die Nikolausfeier, die sich 20 Jahre lang großer Beliebtheit erfreut hatte. Fünf Jahre vorher hatte man noch Bänke und Tische angeschafft, damit man in der Turnhalle feiern konnte, da die Schulaula zu klein geworden war. Durch die sportliche Konkurrenzsituation im Ort war die Zahl der Kinder im Vorschulalter rückläufig, was die Altersstruktur der Kinder im Turnverein nachhaltig veränderte.
Um den älteren Vereinsmitgliedern auch weiterhin die Möglichkeit zubieten, wenigstens einmal im Jahr ein gemeinsames abteilungsübergreifendes Treffen wahrnehmen zu können, wurde 80ein Adventskaffee veranstaltet, der bis heute meist im 2-Jahres-Rhythmus stattfindet.

Dazu wurden die Vereinsfahrten, die bisher eher selten stattfanden, wieder ins Leben gerufen. So ging die erste Fahrt 1997 mit der Vennbahn nach Robertville. Von da an wurde jedes Jahr bis heute eine Vereinsfahrt unternommen.

Anfangs noch mit dem Bus, danach mit dem Zug in die nähere oder weitere Umgebung als Tagesausflug, der aber eher von den Erwachsenen wahrgenommen wird.
Naturgemäß ist eine Freizeit mit den Kindern zu organisieren immer aufwendiger als mit Erwachsenen. So blieb es nach einer anfänglichen Euphorie in den folgenden Jahren bei spontanen Aktivitäten. Gestartet wurde 1997 mit einem Campingwochenende in Hellenthal 1997. Ein Jahr später ging es eine Woche nach Sonthofen zum Skifahren, die Fahrt war gekoppelt mit einem Wettkampf gegen die Schülermannschaft des TSV Sonthofen.

Ab 1995 bekamen wir für unsere Vereinszeitung professionelle Hilfe. Durch die Unterstützung der Druckerei Bölter konnten wir dem Heft ein modernes Layout geben, dazu bunt und mit vielen Bildern drucken. Durch eine entsprechende Auflage konnte die Zeitschrift an alle Haushalte in Verlautenheide verteilt werden und damit auch den Neubürgern aus der Großheidstraße den Turnverein näher bringen.
Im Jahre 1998 begannen die Vorbereitungen für die 125-Jahrfeier des Turnvereins für das kommende Jahr. Der Auftakt mit einem Schauturnen in Haaren war als ein erster Höhepunkt zur vollen Zufriedenheit gelungen. Neben den Vorführungen der Vereinsgruppen waren Alfred Lefebre, ein Turnclown der Spitzenklasse, und Reckweltmeister Ralf Büchner Turner der Extraklasse, als Zugpferde engagiert worden, die die ca. 200 Zuschauer und zahlreiche Kinder begeisterten.

Der Zeltplatz war mittlerweile durch Beschluss der Gemeinde auf den Sportplatz verlegt worden. Dies war mit ein Grund, war-um man ent-gegen der Tradition ein Festzelt nicht riskieren wollte, und stattdessen den Festabend in der Haar-bachtalhalle abgehalten hatte. Karl Pütz hatte wieder die Schirmerrschaft über-nommen, und der Vorsitzende Manfred Kaufmann führte an diesem Abend durchs Programm, das zum größten Teil bei den Showeinlagen mit eigenen Kräften bestritten wurde. Getanzt wurde auf Discomusik.

Professionell war auch die Festschrift geraten, die mit knapp 200 Bildern aufwendig gestaltet war und von einem Vorstandsmitglied des Rheinischen Turnerbundes für einen Wettbewerb eingereicht wurde.

Eine gewisse Erleichterung tritt immer ein, wenn man ein Fest gut über die Bühne gebracht hat. Als Dank an die Helfer und Mitwirkenden beim Fest lud der Verein zum Jahresende alle zu einer Vereinsfahrt nach Maastricht ein, von der auch reger Gebraucht gemacht wurde.

Nach dem Jubiläumsjahr wurde die Vorstandsarbeit wieder beschaulicher. Eine neue Satzung wurde ausgearbeitet mit dem Ziel, die Vorstandsarbeit zu straffen. Die Fachwarte wurden in einem Turnausschuss zusammen gefasst, die aber nicht mehr gewählt werden mussten, sondern vom Vorstand ernannt werden konnten. Dadurch wurde der Vorstand kleiner und Wahlvorgänge in der Jahreshauptversammlung erträglicher.

Die Vereinszeitschrift wurde wieder bescheidener, dafür wurde eine Homepage im Internet eingerichtet, in der die Aktivitäten des Vereins vorstellt werden konnten. Irgendwie zog alle Werbung nicht wirklich, denn die Mitgliederzahlen waren rückläufig. Bei den Schülern hatten wir ein Leistungshoch, denn die Jungen holten verschiedene Meistertitel im Turngau Aachen. Eher war es die unbefriedigende Hallensituation, die nach 50 Jahren so marode war, dass nur noch eine eingeschränkte Sportbetätigung erlaubt war. Ein Hallenneubau war zwar angekündigt, der Abriss der Halle zog sich aber noch bis 2004 hin. Ein Jahr ohne Halle war natürlich für alle Vereine noch schlimmer. Bei uns konnte das Kleinkinderturnen nicht weitergeführt werden und die Männerfitnessgruppe zeigte Auflösungserscheinungen. Die Wettkämpfer im männlichen und weiblichen Bereich fanden Trainingsmöglichkeiten in anderen Hallen und dank der Unterstützung durch die Eltern, die die Fahrdienste zu leisten hatten, waren keine Verluste zu verkraften.

Im gleichen Jahr wurde der Turnverein 130 Jahre alt, aber die Feier wurde im kleinen Rahmen im Vereinslokal Richter abgehalten. In erster Linie waren die Mitglieder eingeladen, denn es galt, Jubilare zu ehren und dabei etwas zu feiern und zu essen.

2005 wurde die lang erwartete neue Halle fertig und den Sportvereinen zur Benutzung übergeben. Für den Turnverein war es im Grunde genommen die Rettung. Die Wettkämpfer hatten zum ersten Mal eine Sportstätte, in der sie auch einen Wettkampf ausrichten konnten. Mussten sie doch jahrelang nach Haaren oder Aachen ausweichen und immer ein Teil der Geräte transportieren. Jetzt richtet der Turnverein in der Halle jährlich wenigstens eine Meisterschaft des Turngaues aus und schon zweimal konnten die Aktiven bei einem Schauturnen vor heimischem Publikum ihre Kunststückchen vorführen. Mit den Turnern aus Mützenich wurde eine Landesligamannschaft gegründet, die bis heute jährlich ihre Heimkämpfe in Verlautenheide austrägt.

Durch die offene Ganztagsschule stehen dem Turnverein vor 16.00 Uhr keine Hallenzeiten mehr zur Verfügung. Trotz dem ist es uns gelungen für alle Altersgruppen wieder ein Sportangebot bereitzuhalten. So hat die Mit-gliederzahl bis heute stetig zu-genommen und die 200ter-Gren-ze wurde bereits überschritten. Leider führte das in einigen Gruppen dazu, dass die Kapa-zitätsgrenzen erreicht sind und Wartelisten angelegt werden müssen.

Auch wenn es in der Turnhalle boomt und der Turnverein sich in einem Hoch befindet, so ist doch nicht nur Sonnenschein zu vermelden. Es wird immer schwerer, für die wenigen Vorstandsposten noch Mitarbeiter zu finden. So kann man nur hoffen, dass die Vereinsarbeit nicht eines Tages zum Erliegen kommt.

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